Teamwork: Wird es neu definiert?

Einheit ist Macht! Wo es Teamwork und Zusammenarbeit gibt, können wunderbare Dinge passieren.

Aber es ist relativ schwierig, generationenübergreifendes Teamwork zu fördern, weil jede Generation ihre eigene Auffassung von Kommunikation hat, und Kommunikation das A und O für Teamwork ist. Kürzlich habe ich mit Teamwork-Guru Anne Loehr gesprochen, und sie hat uns geholfen, die Frage zu beantworten, ob jede Generation Teamwork neu definiert.

Milda: Hallo Anne, ich weiß schon einiges über Sie, aber würden Sie unseren Lesern bitte etwas von sich erzählen?

Anne: Ich bin in Ithaca, New York, als Jüngstes von acht Kindern aufgewachsen. Nach meinem Abschluss an der Cornell University’s School of Hotel Management (mit einer Unterbrechung, um die Kochschule zu besuchen), bin ich nach Kenia gezogen, wo ich über 15 Jahre lang Eigentümerin und Geschäftsführerin von umweltfreundlichen Hotels und Safari-Unternehmen war. Meine Arbeit in Kenia hat mich gelehrt, dass authentische Beziehungen von Mut und Respekt geformt werden. (In der Antwort auf die nächste Frage können Sie etwas mehr über diese Erkenntnis lesen!)

Nachdem ich meinen Gastronomiebetrieb verkauft hatte und wieder in die USA zurückgekehrt war, bin ich zertifizierte Führungstrainerin, Vermittlerin und Unternehmensberaterin geworden. Ich hatte das Glück, mit den unterschiedlichsten Unternehmen arbeiten zu können, beispielsweise Facebook, US Air Force, Morgan Stanley Smith Barney, American Red Cross, Booz Allen Hamilton, John Hancock, Coca-Cola und Instagram, um ihren Teams dabei zu helfen, die Kommunikation zu verbessern und ihre Zusammenarbeit zu vertiefen. Ich halte auch Vorträge und bin Autorin von zwei Büchern: A Manager’s Guide to Coaching: Simple and Effective Ways to Get the Best Out of Your Employees und Managing the Unmanageable: How to Motivate Even the Most Unruly Employee.

Nebenbei bemerkt: The Washington Post hat mir den Namen „Generational Guru“ verpasst.

M: Wie sind Sie beim Training gelandet? Und warum?

A: Eigentlich hatte ich nie vor, in die Nachwuchsförderung zu gehen! Ich habe mich aus reiner Notwendigkeit damit beschäftigt. Als ich in Afrika das kenianische Hotel geleitet habe, wurde ich zum Profi im Krisenmanagement: Ich habe mich Löwen, Tsunamis, reißenden Flüssen und vielen zwischenmenschlichen und innergemeinschaftlichen Konflikten gegenüber gesehen. Ich hatte 500 Angestellte aus unterschiedlichen Stämmen. Ich kann Ihnen sagen, wenn Mitglieder aus verschiedenen Stämme aufeinandertreffen, stellt sich der Erfolg nicht von alleine ein. Ich habe nach ausgezeichneten Führungskräften, Coaching und Teamtrainern für meine kenianischen Angestellten gesucht, weil ich wusste, dass damit Stammesgrenzen überwunden und Erfolg herbeigeführt werden könnten – aber ich habe kein entsprechendes Programm finden können. Letzten Endes habe ich mich im Selbststudium mit Mitarbeiterführung und Nachwuchsförderung beschäftigt. Ich wollte, dass mein Team funktioniert, und ich hatte keinen, an den ich mich hätte wenden können.

Als ich in die USA zurückkam, hatte ich Spaß am Führungskräftetraining und Coaching gefunden. Bei der dann anstehenden Entscheidung über meine weitere berufliche Laufbahn war die Nachwuchsförderung naheliegend.

M: Können Sie uns Ihre Definition von Teamwork geben? Und warum haben Sie sich für diese Definition entschieden?

A: Die offizielle Definition von „Teamwork“ ist das gemeinsame Arbeiten einer Gruppe, um ein Ziel zu erreichen. Aber Teamwork ist noch so viel mehr! Es geht darum, den Menschen zuzuhören, ihre Werte und Ziele zu verstehen, ihnen Raum für gute Zusammenarbeit zu geben, klare Ziele, Rollen, Prozesse und Messgrößen für Ergebnisse zu definieren… und dann den Erfolg zu feiern!

M: Glauben Sie, dass Teamwork neu definiert wird (wird das Konzept häufig erneuert)? Oder hinkt es hinterher?

A: Die Definition von Teamwork bleibt immer dieselbe. Aber jede Generation hat ihre eigene Sichtweise auf die Welt, was wiederum die Interaktion innerhalb des Teams beeinflusst. Wenn 40 % der Baby-Boomer innerhalb der nächsten 10 Jahre in Rente gehen, wird die Teamdynamik mehr in Richtung des Kommunikations- und Beziehungsaufbaustils von Gen X und Gen Y tendieren.

M: Unterscheidet sich Teamwork von Generation zu Generation?

A: Jede Generation bevorzugt ihre eigene Art der Interaktion und möchte auf ihre Weise Aufgaben übertragen bekommen.
Interaktion und die Übertragung von Aufgaben sind Kernelemente von Teamwork, also ja, Teamwork unterscheidet sich von Generation zu Generation.
Derzeit sind drei Generation im erwerbsfähigen Alter. Daher ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich Teams aus mehr als einer Generation zusammensetzen. Wenn diese sich nicht die Zeit nehmen, die grundsätzlichen Unterschiede zu verstehen, kann es in den Teams ordentlich knallen.

M: Was sind die Hauptunterschiede beim Teamwork der verschiedenen Generationen (Baby-Boomer, Generation X und Generation Y)?

A: Ok, hier kommt eine kurze Zusammenfassung:
Baby-Boomer mögen die persönliche Interaktion. Bei Großkundgebungen, riesigen Rockkonzerten und in Großfamilien blühen sie auf. Sie kämen nicht auf die Idee, per WhatsApp, Messenger oder E-Mail zu kommunizieren, wenn ein persönliches Gespräch möglich ist. Diese Generation hat erfahren, wie viel man erreichen kann, wenn man als Gruppe spricht, sowohl auf hoher als auch auf detaillierter Ebene. Ihre Mitglieder haben nicht nur im großen Stil erfolgreich gegen die Benachteiligung von Frauen protestiert, sondern auch subtil Einfluss auf die Details von Politik und Recht genommen, damit die Gesetze ihren Vorstellungen entsprachen. Das ist das Tolle an den Boomern. Sie haben ein großes Ziel und sehen trotzdem auch die Details, dann setzen sie Prioritäten, und am Ende stehen sie als Sieger da. Ihre Teams werden viele persönliche Gespräche führen, klare Prioritäten auf hoher und niedriger Ebene setzen und sehr auf Zeitmanagement bedacht sein. Weil sie gruppenorientiert sind, arbeiten Baby-Boomer auch gut in größeren Teams.

Die Generation X wird häufig als zu unabhängig, zu sehr auf sich selbst fokussiert und zu individualistisch gesehen. Ich nenne sie lieber realistisch und lösungsorientiert. Mitglieder der Gen X arbeiten in der Regel lieber alleine, nach eigenem Zeitplan, mit schnellen Entscheidungen und Ergebnissen. Sie arbeiten auf ihre eigene Art und Weise und wenn sie das tun können, schaffen sie eine Menge. Gen-X-Teams sind am produktivsten, wenn sie nicht zu groß sind oder wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, unabhängig oder mit nur einer weiteren Person im 2er-Team zu arbeiten. Zwischen Stagflation, hohen Scheidungsraten und der Schmach der Iran-Contra-Affäre sowie der Explosion der Challenger haben sie von Anfang an gelernt, findig und pragmatisch zu sein. Deswegen können sie besonders gut delegieren, was insbesondere für hoch produktive Teams von Vorteil ist.

Die Generation Y ist mit einer Maus in der Hand auf die Welt gekommen, es ist also kein Wunder, dass sie am liebsten virtuell interagiert. Für ihre Mitglieder ist ein Chat im Messenger oder eine Textnachricht auf dem Handy das Gleiche wie ein persönliches Gespräch. Ein zusätzlicher Nutzen der virtuellen Zusammenarbeit ist, dass diese ihnen eine bessere Work-Life-Balance ermöglicht – einer ihrer Kernwerte. Bei einem Gen-Y-Team dürfen Sie kaum persönliche Gespräche erwarten, stattdessen können Sie mit Gruppenchats, Videokonferenzen, Workflow-Apps und anderer Teamwork-Technologie rechnen. Sie sind es von Familientreffen gewohnt, ein Mitspracherecht zu haben. Ihre Teams müssen daher sehr verständnisvoll sein, damit die Recherchen (sie kennen gerne alle Details zum vorliegenden Thema!) und Meinungen aller mit einbezogen werden können.

M: Ist es schwer, unterschiedliche Generationen in einem Team zusammenarbeiten zu lassen? Und warum?

A: Jede Person, unabhängig von seiner oder ihrer Generation, ist ein Individuum, deswegen sind generationenübergreifende Teams nicht per se schwierig. Es gibt einige Kommunikationsaspekte, die jedoch mit einer kleinen Schulung geregelt werden können. Beispielsweise kann das Beharren von Gen Y auf virtuelle Kommunikation etwas sein, womit die Baby-Boomer Probleme haben und andersherum. Gen X kann es schwer fallen, sich mit der Begeisterung der Baby-Boomer für Gruppen und dem Bedürfnis von Gen Y, Teil einer Community zu sein, anzufreunden, während sie selbst einfach in Ruhe und alleine ihre Arbeit machen möchte. Alle Teammitglieder müssen im Hinterkopf behalten, dass jede Generation ihren einzigartigen Beitrag leistet, und dass vielfältige Teams innovativer sind. Ihre Unterschiede sind die Pluspunkte.

M: Wie fördern Sie generationenübergreifendes Teamwork? Gibt es spezielle Übungen oder Tools, die den Teams helfen können?

A: Das wichtigste Tool zur Förderung von generationenübergreifendem Teamwork ist Bildung. Wenn die Mitarbeiter die Generationsunterschiede kennen, macht das viel aus. Sobald sich die Teammitglieder der bevorzugten Interaktionsform der unterschiedlichen Generationen bewusst sind, empfinden sie das Verhalten der Anderen nicht mehr als störend oder untragbar. Stattdessen werden sie Wege finden, wie sie miteinander kommunizieren können, um ihre Ziele zu erreichen.

M: Können Sie uns einen Tipp geben, wie man die Zusammenarbeit von Mitarbeitern in Teams fördern kann?

A: Mein Geheimtipp mag simpel erscheinen, ist aber eine größere Herausforderung, als man denkt: Zuhören und Fragen stellen.

Wir möchten uns bei Anne für ihre brillanten Gedanken und die Erklärungen zur unterschiedlichen Kommunikation bei Baby-Boomern, der Generation X und der Generation Y bedanken. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle Individuen sind. Aber mit ein wenig Verständnis und gutem Zuhören können wir als Team ein tolles Ergebnis erzielen.

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