Die vielen kleinen Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden

In den letzten Monaten haben wir enthusiastisch mit einem CAPP-Projekt im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg begonnen. Sofort zeigten sich witzige Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden.

Der Geburtsname zum Beispiel hat unterschiedliche Bedeutungen. In den Niederlanden bleibt der Geburtsname sehr wichtig, denn eigentlich werden Zertifikate immer auf den Geburtsnamen ausgestellt und nicht auf den Nachnamen des Partners, den man ggfs. angenommen hat. Daher kann man in CAPP neben seinem eigenen Nachnamen (Geburtsnamen) auch ggfs. noch den Nachnamen des Partners festlegen und angeben, mit welchem Namen oder mit welcher Kombination aus den beiden Namen er/sie angesprochen werden möchte.

Bei der Anrede haben sich weitere Unterschiede gezeigt. In den Niederlanden wird man bei Briefen in der Adressatenzeile hauptsächlich mit dem ersten Buchstaben des Vornamens bzw. der Vornamen und dem Nachnamen angeschrieben: "M.J. Mustermann". In E-Mails hingegen wird man oft nur mit dem Vornamen angesprochen: "Beste Piet". In Deutschland jedoch werden Initialen des Vornamens eher nicht genutzt. Und auch die gängige Anrede bei Briefen oder E-Mails ist eher förmlich mit "Sehr geehrter Herr Dr. Mustermann". Daher haben wir für unsere deutschsprachige Version eine Anrede eingebaut, die auch den Titel der Person angibt.

Weiterhin gibt es auch Unterschiede bei der Arbeitsweise der Implementierung. In Oldenburg begonnen wir direkt morgens um 08.00 / 09.00 Uhr. In den Niederlanden starten wir meist erst gegen 10.00 Uhr und beginnen den Tag dort auch meist mit einem "Kopje Koffie" und ein wenig Smalltalk. In Deutschland nimmt man sich eher während eines ausgebreiteten warmen Mittagessen die Zeit für ein Gespräch, während man in den Niederlanden eher schnell eine Scheibe Brot mit Käse und ein Glas Milch zu sich nimmt. Erst abends, nachdem ein Niederländer von der Arbeit nach Hause kommt, wird warm gegessen.

Trotz all der Unterschiede in den beiden Kulturen und Arbeitsweisen gibt es auch wichtige Ähnlichkeiten. Wie zum Beispiel die Auflage, dass Mitarbeiter qualifiziert sind. In Deutschland möchte man den Mitarbeitern mehr Verantwortung übergeben. Dies zeigt sich durch das eigenständige Einschreiben der Mitarbeiter in Kurse und die Einsicht in ihre Kompetenzen und Kenntnisse durch den Qualitätspass. Hier muss ein Mittelweg gefunden werden zwischen der Eigenverantwortung des Mitarbeiters und der Verpflichtungen der Organisation. Mit ein paar kleinen Anpassungen in CAPP funktioniert dies sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland.

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